Der Garten im (Klima-)Wandel

  • 43 % der deutschen Gartenbesitzer nehmen Veränderungen durch den Klimawandel in ihrem Garten wahr; sie beobachten vor allem eine zunehmende Trockenheit (80 %).
  • Mehr als die Hälfte (54 %) der deutschen Gartenbesitzer rechnen in der Zukunft mit Veränderungen durch den Klimawandel in ihrem Garten.
  • Knapp die Hälfte der Gartenbesitzer (48 %) hat bereits Maßnahmen ergriffen, um den Garten an diese Veränderungen anzupassen, oder plant dies.

Inwieweit macht sich der Kli­ma­wan­del, zum Beispiel in Form von Ex­trem­wet­ter-Er­eig­nis­sen, in deutschen Gärten bemerkbar? Dieser Frage geht das STIHL Garten-Barometer 2026 nach. Hierfür wurden im Rahmen einer re­prä­sen­ta­ti­ven Umfrage 1.000 Gar­ten­be­sit­ze­rin­nen und Gar­ten­be­sit­zer zwischen 18 und 70 Jahren in Deutsch­land befragt. Dabei zeigt sich, dass 43 % der Befragten in ihrem Garten Ver­än­de­run­gen fest­stel­len, die sie dem Kli­ma­wan­del zuordnen. Weitere 10 % geben an, nicht zu wissen, ob Ver­än­de­run­gen in ihrem Garten damit zu­sam­men­hän­gen. Danach befragt, welche Ab­wei­chun­gen sie in den ver­gan­ge­nen zehn Jahren in ihren Gärten fest­ge­stellt haben, steht an erster Stelle die zu­neh­men­de Tro­cken­heit (80 %), gefolgt von ver­än­der­ten Wachs­tums­pha­sen bzw. Blüh­zei­ten bei hei­mi­schen Pflanzen (46 %) und einer Zunahme bekannter Schäd­lin­ge wie Schnecken und Blatt­läu­se (45 %).

Bewässerung und Verschattung stehen bei Anpassungsmaßnahmen an erster Stelle
Maßnahmen gegen Effekte des Kli­ma­wan­dels haben bereits 29 % der Gar­ten­be­sit­ze­rin­nen und -besitzer ergriffen; weitere 19 % geben an, zukünftig aktiv werden zu wollen. Dabei gilt: Je jünger die Befragten sind, desto eher haben sie schon Maßnahmen ergriffen (39 % der 20- bis 29-Jährigen). Vor dem Hin­ter­grund der vielfach fest­ge­stell­ten zu­neh­men­den Tro­cken­heit ist es gut nach­voll­zieh­bar, dass bei den An­pas­sungs­maß­nah­men die Themen Be­wäs­se­rung und Ver­schat­tung an erster Stelle stehen. Platz eins bei den um­ge­setz­ten Maßnahmen ist das Sammeln von Re­gen­was­ser – bei­spiels­wei­se durch den Bau von Zisternen oder dem Auf­stel­len von Re­gen­ton­nen –, um es in trockenen Phasen zum Gießen zu nutzen (75 %). 66 % der Befragten lassen ihren Rasen höher stehen, um ihn vor Aus­trock­nung zu schützen, und 64 % haben Bäume oder Hecken als Schat­ten­spen­der gepflanzt. Und um die Bo­den­feuch­tig­keit zu ver­bes­sern, mulchen 51 % ihren Rasen, lassen also das fein­ge­schnit­te­ne Schnitt­gut auf der Ra­sen­flä­che liegen. Auch die­je­ni­gen, die bisher noch keine Maßnahmen ergriffen haben, planen an erster Stelle das Sammeln und Nutzen von Re­gen­was­ser zum Gießen (65 %), gefolgt vom An­pflan­zen hitze- und tro­cken­heits­ver­träg­li­cher Pflanzen in ihrem Garten (61 %).

Mehrheit der Gartenbesitzer erwartet (weitere) Veränderungen
Auch für die Zukunft rechnet eine knappe Mehrheit der für das STIHL Garten-Barometer befragten Gar­ten­be­sit­ze­rin­nen und -besitzer mit Ver­än­de­run­gen durch den Kli­ma­wan­del (54 %). Dies gilt ins­be­son­de­re für die­je­ni­gen, die bereits heute Ab­wei­chun­gen fest­stel­len (92 %). Ein genauerer Blick auf die Er­geb­nis­se zeigt außerdem: Ins­be­son­de­re die Jüngeren zwischen 20 und 29 Jahren rechnen zu zwei Dritteln (68 %) mit sich ändernden kli­ma­ti­schen Be­din­gun­gen– bei den Befragten im Alter ab 60 Jahren sind es nur 52 %. Auch hin­sicht­lich der Wohn­si­tua­ti­on gibt es un­ter­schied­li­che Er­war­tun­gen: Je urbaner der Wohnort, desto eher gehen die Befragten von Än­de­run­gen durch den Kli­ma­wan­del in der Zukunft aus. So erwarten in Städten mit über 100.000 Ein­woh­nern 62 % der Gar­ten­be­sit­ze­rin­nen und -besitzer Ver­än­de­run­gen in den kommenden Jahren; im länd­li­chen Raum (Gemeinden bis 5.000 Einwohner) sagen das nur 48 %.

Hohes Interesse an Tipps zum Schutz des eigenen Gartens
Das Wahr­neh­men von Ver­än­de­run­gen im eigenen Garten durch den Kli­ma­wan­del (43 %) führt vielfach zu einem zu­sätz­li­chen In­for­ma­ti­ons­be­darf (82 %). Ganz oben auf der Liste stehen Tipps zur ge­eig­ne­ten Be­pflan­zung (50 %) sowie zur ef­fi­zi­en­ten Be­wäs­se­rung (43 %) und zur Un­ter­stüt­zung von Wild­tie­ren im eigenen Garten (42 %). Al­ler­dings gilt: Je länger die Befragten ihren Garten besitzen, desto weniger sind sie an In­for­ma­tio­nen in­ter­es­siert. Während also 88 % der­je­ni­gen, die weniger als fünf Jahre einen eigenen Garten haben, Interesse an ent­spre­chen­den Tipps und Infos haben, sind es bei lang­jäh­ri­gen Gar­ten­be­sit­zern (>10 Jahre) „nur” 77 %. Außerdem lässt sich erkennen, dass der In­for­ma­ti­ons­be­darf bei den­je­ni­gen besonders hoch ist, die bereits Ver­än­de­run­gen in ihrem Garten fest­ge­stellt haben bzw. in Zukunft damit rechnen (93 %).

Gartennutzung verändert sich
Auch die per­sön­li­che Gar­ten­nut­zung wird vielfach von den äußeren Umständen be­ein­flusst (57 %): So nimmt bei mehr als einem Drittel (36 %) der­je­ni­gen, die bereits Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels im Garten fest­ge­stellt haben, die Arbeit im Garten zu; unter allen Befragten sagen das nur 21 %. Ein Drittel (33 %) von ihnen verbringt mehr Zeit im Garten als früher – unter allen Befragten sind es nur 22 % – und mehr als ein Viertel (27 %) von ihnen nutzt den eigenen Garten über einen längeren Zeitraum im Jahr. Von allen Befragten sagen das nur 19 %.

Schutz der heimischen Tierwelt ist Gartenbesitzern wichtig
Aber nicht nur die Gärten und ihre Be­sit­zin­nen und Besitzer sind von den Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels betroffen, sondern auch die heimische Tierwelt. So re­gis­trie­ren 42 % der­je­ni­gen, die heute bereits Ver­än­de­run­gen durch den Kli­ma­wan­del fest­stel­len, eine ab­neh­men­de Vielfalt hei­mi­scher Pflanzen und Tiere (z. B. Vögel, Insekten) in ihrem Garten. 55 % der für das STIHL Garten-Barometer Befragten haben deshalb bereits Maßnahmen zum Schutz der hei­mi­schen Tierwelt ergriffen; weitere 12 % planen dies in Zukunft zu tun. Zu den am häu­figs­ten um­ge­setz­ten Maßnahmen gehören die Schaffung von Was­ser­stel­len für Vögel und Insekten (84 %), ein zu­rück­hal­ten­der Baum- und He­cken­schnitt außerhalb der Brut­zei­ten (81 %) und die Schaffung von Le­bens­räu­men für Tiere und Insekten im eigenen Garten (79 %).

Kasten:
Einordnung der Ergebnisse und Tipps von Dr. Jörg Morhard, Universität Hohenheim

Vor dem Hin­ter­grund sich ändernder kli­ma­ti­scher Ver­hält­nis­se steht nach Ansicht von Dr. Jörg Morhard vom Institut für Agrar­tech­nik der Uni­ver­si­tät Hohenheim bereits heute der ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te Umgang mit der Ressource Wasser im Vor­der­grund: „Über einen längeren Zeitraum aus­blei­ben­de Nie­der­schlä­ge sowie lang­an­hal­ten­de Re­gen­pe­ri­oden und Stark­re­ge­ner­eig­nis­se stellen Gar­ten­be­sit­zer zunehmend vor Her­aus­for­de­run­gen. Die Umfrage zum STIHL Garten-Barometer zeigt, dass Personen mit Garten bereits über um­fang­rei­che Kennt­nis­se in Um­welt­fra­gen verfügen. Gleich­zei­tig ist das Be­wusst­sein für sich ändernde kli­ma­ti­sche Be­din­gun­gen mit dem Wunsch nach weiteren In­for­ma­tio­nen gepaart. Im Detail sticht für mich heraus, dass bereits mehr als 75 % der Befragten ge­sam­mel­tes Re­gen­was­ser zur Be­wäs­se­rung nutzen und ein großer Teil die Ra­sen­pfle­ge während Hit­ze­pe­ri­oden bewusst anpasst.” Gefragt nach seinen Tipps ergänzt Morhard, der selbst be­geis­ter­ter Gar­ten­be­sit­zer ist: „Neben der Wahl ge­eig­ne­ter Pflan­zen­ar­ten und -sorten bedarf es eines an­ge­pass­ten Was­ser­ma­nage­ments. Ein­rich­tun­gen zum Auffangen und Speichern von Nie­der­schlags­was­ser gehören dazu, genauso wie das was­ser­spa­ren­de Bewässern. Sen­sor­ge­steu­er­te Be­wäs­se­rungs­an­la­gen, ein­ge­bun­den in Smart Home Lösungen, können dabei eine be­darfs­ge­rech­te Be­wäs­se­rung er­leich­tern. Grund­sätz­lich sollten Gar­ten­be­sit­zer zukünftig aber auch mehr Wildnis wagen. Sie machen dadurch ihren Garten nicht nur fit für Kli­ma­ver­än­de­run­gen, sondern leisten darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zum Ar­ten­schutz.”

Quelle: STIHL

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